ICH TU WAS FÜR MICH

Das CD-Programm für
aktive Lebensgestaltung

Weil das Gehirn ein Multipathway-Computer ist

Die Abenteuer und Trickkisten der Neurolinguistischen Programmierung - NLP ausgeplaudert von Klaus Grochowiak

Irgend etwas macht jedes Gehirn erfolgreich. Aber vielleicht mögen wir das, was das Gehirn am erfolgreichsten tut, am wenigsten. Das können wir umkehren, behaupten die NLPler voller Zuversicht, sogar jetzt, sofort, das sei alles nur eine Frage der Regieführung des subjektiven Erlebens. Von Tobsuchtsanfällen am Wickeltisch, über Traumhaus und -frau an der Cote d´Azur bis zur Reinkarnationslehre. Oder Sie wünschen ein neues Glaubenssystem, weil das alte nichts mehr taugt? Geben Sie Ihrem NLP-Trainer Daten und Maße und er wird Ihnen das neue Programm sachkundig "ankern". Wie, darüber unterhielt sich Johannes Holler mit dem Kommunikations-Trainer Klaus Grochowiak. Daraus enstand die vorliegende Testfahrt übers Mischpult der neurolinguistischen Programmierung.

NLP ist im Grunde genommen eine Psychotechnologie, die darauf aufbaut, zu schauen, was erfolgreiche Kommunikatoren wirklich tun. Wenn also jemand Legastheniker ist, einer, der viele Rechtschreibefehler macht, dann kann man ihn stundenlang, ja jahrelang beobachten und man erfährt nichts darüber, wie man richtig buchstabiert. Um Legasthenikern zu helfen, sollte man vielleicht lieber Leute untersuchen, die sehr gut rechtschreiben und lesen und schauen, wie diese Leute das in ihrem Innern tun, um es dann den Legasthenikern beizubringen.

Das heißt, die klassische Psychiatrie beschäftigt sich mit der Frage: wie funktioniert der Wahnsinn. Darüber weiß sie auch sehr viel und produziert jede Menge Wortungeheuer wie paranoide Schizophrenie und dergleichen. Diese Begriffe sind eine sehr vage Nominalisierung von empirischen Beobachtungen, sie führen aber kaum dazu, den Leuten gut helfen zu können. Was NLP macht, ist methodisch zu beobachten, wie Gehirne irgendeine Aufgabe besonders erfolgreich erledigen. NLP hat ein Instrumentarium entwickelt, um interne Prozesse, die uns selten bewußt sein, bewußt zu machen, um daraus ein Modell zu entwickeln, das sich anderen beibringen läßt. Wenn der andere dann mit diesem implantierten Modell die Leistung erbringen kann, die er erbringen wollte, dann ist das Modell hinlänglich gut, das heißt, es ist nicht nur wahr, sondern es funktioniert.

Beispiel: Wenn jemand nicht gut buchstabieren kann, etwa "viele" immer mit "f" schreibt, dann liegt das daran, daß er auditiv buchstabiert. Das heißt, aus dem inneren Klangerlebnis "ffff" macht er ein “ef“, dann ein “ii“, dann h, l, e. Leute, die gut buchstabieren können, die sehen aber das Wort in ihrem Innern und schreiben es dann einfach ab und aufs Papier. Wenn also jemand Legastheniker ist, bringe ich ihm das Modell bei, Worte, die er hört, zu sehen und dann abzuschreiben.

In den Schulen passiert nun folgendes: wir wollen, daß die Kinder lernen, aber wir sagen ihnen nicht, mit welcher Strategie. Die Folge ist, die Kinder sich ihre internen Strategien selber suchen müssen. Einige finden gottseidank die passende. Andere finden sie nicht und gelten dann als lernbehindert. Statdessen sind die Lehrer eher lehr-behindert.

Ähnlich ist es mit dem Gesundheitsbegriff im NLP. Dort gibt es im Gegensatz zu den anderen Psycho-Religionen und Psycho-Technologien keinen Gesundheitsbegriff. es gibt keinen Guru, der sagt, was Liebesfähigkeit, Arbeitsfähigkeit und Gesundheit bedeutet. Ein NLPler sieht sich nicht als Therapeut sondern als Programmierer. Es kommt zum Beispiel jemand zu mir und sagt: es gibt Situationen, in denen ich xxe, wenn ich gar nicht xxen möchte. Dann frage ich: was möchtest du stattdessen machen? Er sagt:: Y. Dann frage ich ihn: gibt es Situationen, in denen du y machen kannst? Dann sagt er, ja. Also wenn ich dich richtig verstehe, kannst du y machen, aber nicht immer. Was du also möchtest, ist, daß ich dir helfe, die Fähigkeit y auch in der Situation zu haben, in der du bisher immer nur x hervorgebracht hast. Dann sage ich ihm: stell dir vor, du könntest es schon, welche Konsequenzen hätte das für dein Leben? Das nennt sich "Ökologiecheck", das heißt, er überprüft, ob diese neue Fähigkeit in seinem Kontext ökologisch ist. Nicht ich bestimme nach meinem individuellen Werturteil, ob das Programm y sinnvoll ist oder nicht, er entscheidet das.

Meine Aufgabe ist es, für Präzision zu sorgen und dafür, daß alles berücksichtigt wird, und meine Ausbildung besteht darin, auf seine Physiologie genau achten zu können. Die kleinsten Dissonanzen in Ausdrucksform, Körpersprache und Physiologie erkennen zu können und als Feedback zurückzugeben.

Dann, wenn alle Ökologiechecks positiv verlaufen sind, gibt es ein Verfahren, wie ich ihm helfen kann, das neue Programm einzubauen. Mein Job ist es also nicht, seine Ziele zu definieren, sondern ihm zu helfen, seine Ziele zu realisieren. Dann wird diese neue Fähigkeit so kontextualisiert, daß sie nur in den gewünschten Kontexten auftritt und in anderen eben nicht. Also man installiert einen bedingten Reflex zwischen irgend etwas, das man sieht, hört oder fühlt und macht das zum Auslöser für das neue Programm. Jemand bekommt zum Beispiel in bestimmten Situationen Tobsuchtsanfälle, möchte aber in diesem Zusammenhang lieber ruhig und gelassen sein. Dann frage ich ihn, ob es Situationen gibt, in denen er ruhig und gelassen auf einen Widerspruch reagiert. Er sagt: Ja, wenn im Beruf ein Kollege anderer Meinung ist als ich, bekomme ich keinen Tobsuchtsanfall. Wenn ich aber mit meiner Frau darüber spreche, wohin wir in Urlaub fahren wollen, und sie hat etwas anderes vor als ich, dann werde ich wütend.

Gut, es gibt hier zwei Möglichkeiten zu helfen. Man kann sozusagen seine Wut auf ihre Entstehung zurückverfolgen und diesen ganzen Entstehungsprozeß verändern, das nennt man Historychange. Du kannst mit ihm in der Erinnerung zurückgehen an Ereignisse, wo er ausgerastet ist, immer weiter und immer weiter in der Kette und dann landest du irgendwann dabei, als er gewindelt wurde oder als die Mutter ihm den Strampelanzug angezogen hat, aber auf eine Art und Weise, die ihm nicht behagt hat. Sein Brüllen hatte keinen Zweck, aber dabei hat er sich ein prima Ausrast- und Tobsuchtsprogramm eingebaut, in das er sein ganzes Leben wieder reinfällt. Dann sage ich ihm: was hätte der kleine Hans denn gebraucht, damit es ihm in der Situation gut ginge? Das heißt, er macht sich jetzt einen neuen Film, er führt Regie darüber, wie er gewollt hätte, daß ihn die Mutter wickelt. Die Leute machen fast nie einen optimalen Film im ersten Anlauf. Aber sie werden besser und das sehe ich ihnen natürlich an. Er muß grinsen wie ein Honigkuchen bis über beide Ohren und strahlen wie ein frischgepudertes Baby. Wenn er diesen Gesichtsausdruck hat, dan weiß ich, der Film sitzt 100%. Dann sage ich zu ihm: so jetzt nimm noch einmal den kleinen Hans in dich rein. Er sieht ihn ja vor sich und dann soll er ihn wirklich physisch so nehmen und in sich hineinbauen. Dadurch verankert er praktisch die Physiologie des glücklichen, frischgepuderten Babies in sich selbst. Und so gehe ich die ganze Kette rückwärts und jedesmal wird der Film so verändert, wie es für ihn optimal gewesen wäre und jedesmal wird die neue Teilpersönlichkeit leiblich integriert. Er sieht dann jeweils den neuen Film, und nicht mehr den alten. Er kann den alten zwar immer noch sehen, aber meistens weit weg, klein und schwarz weiß. Hingegen den neue Film sieht er dicht dran, farbig und ziemlich groß. Gut, daß war die eine Möglichkeit über den Historychange.

Ich kann aber die Wut dieses Mannes auch als einen bedingten Reflex auffassen, d.h. nur wenn seine Frau etwas macht, wird sein Programm ausgelöst. Dann kann ich sozusagen diese Kopplung zwischen seiner Frau und diesem Programm auflösen. Es geht auch nicht darum, eine Methode, wie man diese Störung entfernen kann, als Heilung zu betreiben, sondern diese Störung kann man auf beliebig viele Arten entfernen, weil das Gehirn ein Multi-Pathway Computer ist.

Du kannst ein Ziel auf tausend verschiedenen Wegen erreichen. Richard Bandler, einer der NLP Begründer, hat einmal gesagt: wenn du zehnmal eine Sache auf die gleiche Weise therapiert hast, dann mach nächstes Mal etwas anderes. Und zwar aus einem einfachen Grund: nichts ist gefährlicher als der Erfolg. Wenn du mit irgendetwas Erfolg hast und es immer wieder tust, konditionierst du dich selbst darauf, das für die eigentlich wirkliche Methode zu halten. Und damit schränkst du dich ein. Also tu etwas eine bestimmte Zeit, freu dich am Erfolg, merk dir, wie du‘s gemacht hast und mach dann etwas anderes. Wenn das Andere dann nicht funktioniert kannst du immer noch drauf zurückkommen. Aber durch den Wechsel installierst du dir ein Metaprogramm, nämlich Flexibilität.

Es ist dabei aber zu sehen, daß kein ideologischer Überbau vorhanden ist. Es entstehen dabei unter spirituellen Gesichtspunkten sehr dramatische Prozesse. Zum Beispiel sagt Gerd Gerken, daß wir anfangen müssen, die Verantwortung für unsere Programme zu übernehmen. Nehmen wir einmal ein Gefühl wie Glauben und Überzeugung. Jemand glaubt an etwas, an Reinkarnationslehre meinetwegen und er zweifelt natürlich am Gegenteil.

Der Reinkarnationsmann zweifelt, daß wenn man tot ist, man wirklich endgültig tot ist. Der Materialist macht es natürlich gerade umgekehrt, er glaubt nicht an ein Leben nach dem Tode. Beim NLP bitte ich nun die Leute, an etwas zu denken, woran sie glauben, zum Beispiel, daß sie in ihrem Beruf erfolgreich sind und ihren Job gut machen. Aber sie zweifeln meinetwegen daran, gute Autofahrer zu sein. Dann sollen sie sich zu diesem Glauben respektive zu diesem Zweifel ein inneres Bild machen, sie sollen sich z.B. Reinkarnation vorstellen, sie sehen sich vielleicht als Engel oder als Seele aus dem Körper schweben, oder sie sehen eine unendliche Kette von Leben, die miteinander verbunden sind. Irgendsoetwas, und dieses Bild hat bestimmte Untereigenschaften, die ich mir beschreiben lasse, wie Größe, Farbe, Helligkeit, Entfernung, ist es ein Film oder ein Dia, gibt es eine Tonspur, usw. Diese Untereigenschaften schreibe ich mir auf. Dann bitte ich denjenigen, an etwas zu denken, woran er zweifelt. Was immer das ist, dieses Bild hat natürlich ganz andere Untereigenschaften, es wackelt ein bißchen, die Helligkeit schwankt, es gibt Unschärfen und Verzerrungen, was typische Eigenschaften für Zweifel sind. Dann sage ich: jetzt denk mal wieder an Reinkarnation und laß mal das Bild ein bißchen wackeln und auf einmal sagt der: ich bin mir jetzt gar nicht mehr so sicher, ob das mit der Reinkarnation wirklich wahr ist. Und das gleiche mache ich mit dem, was er immer bezweifelt hat und lasse ihn das Bild so arrangieren, bis es alle Untereigenschaften von fester Überzeugung und Glauben besitzt. Er überträgt das und auf einmal ist ihm, was er eben noch bezweifelt hat, ganz sicher.

Daraus sieht man, daß Glauben und Gewißheit, Zweifel und Vertrauen nichts anderes als ein Set von Untereigenschaften der inneren Visualisierung ist. Ich kann jeden an allem zweifeln lassen, ich kann jeden alles glauben lassen. Bloß, das kann jeder auch mit sich selbst. Und damit kommen wir zu der Frage: Was will ich glauben? Woran will ich zweifeln? Diese Frage kannte ich ja noch gar nicht, bisher hatte ich gezweifelt oder geglaubt, weil ich es sowieso nicht anders konnte. Jetzt aber, wo ich die Wahl habe, Bewußtseinsinhalte so zu verändern, daß sie mir zweifelhaft oder überzeugend erscheinen, kann ich Verantwortung für meine Programme übernehmen, kann ich an jeden x-beliebigen Menschen so denken, daß ich ein Gefühl von Vertrauen zu ihm entwickele, einfach dadurch, daß ich die innere Visualisierung von ihm verändere. Wenn ich das aber kann, muß ich mir die Kant‘sche Frage stellen: was soll ich wollen?

Ein schwaches Ich bricht an dieser Möglichkeit zusammen., weil es sich fragt: woher soll ich denn wisen, woran ich zweifeln oder glauben soll? Und zieht sich dann lieber auf die bequeme Position des Nicht-verändern-Könnens der eigenen Programme zurück. Das ist etwas, was ich immer wieder in meinen Seminaren erlebe, wenn ich den Leuten zeige, daß sie jetzt in dem Moment die Wahl haben, ein Programm zu ändern, z. B. das Programm, ob sie rauchen wollen oder nicht. Oder das Programm Verliebtsein. Verliebtsein ist ein Wahrnehmungsfilter und ich kann den Filter wieder ausbauen, so daß ein Frischverliebter seine Freundin ganz cool und gelassen sieht. Genausogut kann ich jedem Ehemann, der seine Frau schon lange nicht mehr liebt, einen Filter einbauen, daß er sich unsterblich in sie verknallt. Und die entscheidende Frage ist wieder: wer entscheidet? Welche Instanz in mir entscheidet über die Wahl der Filter?

Was ich auf meinen Seminaren nun immer wieder erlebe ist, daß einige Leute sich begeistert auf die neuen Möglichkeiten stürzen und sagen: endlich kann ich bestimmen, wie mein Leben aussehen soll. Und andere sagen: das ist ja furchtbar, das ist ja Manipulation! Und das Gespräch geht weiter: Ja was heißt hier Manipulation, das macht doch kein anderer, das machst du doch selber. Aber dann manipuliere ich mich ja selber! Sagen wieder die anderen. Und einige bekommen nun wirklich Panik und fragen: woher soll ich nun wissen, was ich machen soll? Das heißt, ein Teil vom Menschen erlebt eine Art gottgegebene Unfähigkeit, das eigene Gehirn zu benutzen und hält jede Änderung für bedrohlich, während für einen anderen Teil eine ganz neue Welt aufgeht. Das heißt, die Einsicht in die Programmierbarkeit des Gehirns löst erstmal massive Identitätsprobleme aus, die Frage, wer bin ich eigentlich? Im NLP sagt man nun nicht, ich, das ist meine Vergangenheit oder meine Programme, sondern man arbeitet mit dem Begriff der Selbstprogrammierung, übrigens ein klassisches Feld der Esoterik. Nur, daß es beim NLP mit mehr technischer Akuratesse geht als sich einfach nur etwas schönes auzumalen, im Sinne von Visualisierung oder "think positive".

Denn wenn ich mir etwas visualisiere, dann kann das im Widerspruch zu einem Glaubenssatz stehen, den ich schon habe. Beispiel: ich wiege 80 kg und möchte 65 wiegen. Als alter Positivdenker würde ich mir jetzt überall in die Wohnung kleine Zettelchen hängen, "ich wiege 65 kg, bin gesund und glücklich". Das würde ich 20 mal am Tag aufschreiben und dazu visualisieren, wie ich so aussehen würde. Das hat zwei Nachteile. Erstens, wenn ich das wirklich gut mache, dann glaube ich jetzt schon, daß ich 65 kg wiege und dann gibt es keinen Grund, meine Eßgewohnheiten zu ändern. Das ist auch, was Bandler kritisiert. Viele Leute gehen zum Psychiater und sagen: ich habe so wenig Selbstbewußtsein, können Sie mir nicht helfen, mehr Selbstbewußtsein zu entwickeln? Und das tut der auch. Aber nun könnte es ja sein, daß dieses mangelnde Selbstbewußtsein eine ganz realistische Einschätzung von Inkompetenz ist. Nun gibt es schon genug Leute, die inkompetent sind, aber völlig selbstbewußt, da kann es doch nicht der Sinn sein, neue Illusionen über sich selbst zu installieren. Kann aber leicht passieren. Das ist das Erste. Das zweite ist: wenn ich zwei gegensätzliche Handlungsanforderungen in mein Unterbewußtsein implementiere, dann schwanke ich ständig zwischen den beiden hin und her. Dann nehme ich meinetwegen eine Weile ab und dann nehme ich wieder zu.

Warum positives Denken meistens nicht funktioniert, aber manchmal eben doch, dafür gibt es mehrere Gründe. Einer, der mir einleuchtet, geht so: um überhaupt mit irgendetwas tätig werden zu können, muß ich ein inneres Bild von der Tätigkeit aufrechterhalten. Wenn zum Beispiel meine Blase drückt, sagt mir ein kinesthetisches Gefühl, ich muß auf Toilette. Was ich nun mache, ich visualisiere ganz kurz, wie ich dort hingehe. Ich stehe auf und sehe mich schon auf dem Weg zur Toilette. Im selben Augenblick fragst du mich nach einer Telefonnummer. Ich sage 0987676544 und stehe nun einmal da und weiß nicht mehr, was ich machen wollte. Meine Aufmerksamkeit ist vom Toilettenbild auf ein anderes Bild übergegangen und solange meine Blase nicht wieder drückt und damit das Bild wieder hervorruft, stehe ich da und frage mich, was wollte ich nun eigentlich?

O.k., es scheint zwischen dem frontalen Stirnlappen und des motorischen Cortex eine on-line Verbindung zu geben, die man sich so vorstellen kann, daß der motorische Cortex macht, was er im frontalen Stirnlappen sieht. Und wenn sie mich nicht auf Toilette sieht, dann gehe ich da auch nicht hin. Dieses Aufbauen und Unterbrechen von inneren Bildern ist wichtig für jedes Visualisieren.

Weil, jetzt frage ich jemand: was möchtest du im Leben erreichen? Dann stellt der sich meinetwegen vor, ein schickes Haus an der Cote d‘ Azur, tolle Frau und kluge Kinder undsoweiter. Dann frage ich: Kannst du das visualisieren? Kein Problem, sagt der. Also mach das mal und dann bitte ich ihn, auf einer weißen Wand dieses Bild zu visualisieren, und zwar so, daß es auch scharf und farbig aussieht. In seinem Körper entsteht nun ein starker Drang, dafür etwas zu tun, daß dieses Bild wirklich wird, das nennen wir Motivation. Jetzt frage ich ihn, was spricht nun dagegen? Er antwortet: das ist ja alles nur Illusion und viel zu teuer, in meinem Alter schaffe ich das ja sowieso nicht undsoweiter. Diese Information erlaubt mir dann, einen Einwand mit seinen eigenen Worten formulieren, denn nur die eigenen Worte, nur die richtigen Formulierungen wirken im Körper. Wenn ich dann alle seine Einwände gegen das Zielbild notiert habe, dann sage ich ihm: du läufst jetzt auf dein Zielbild zu, und ich erzähle dir deine Einwände, ich brülle sie dir notfalls entgegen und in dem Moment, wo das Zielbild anfängt zu wackeln, bleibst du stehen. Nun läuft er die ersten Schritte los und dann sage ich: dafür bist du doch viel zu alt. Er läuft weiter, schwankt etwas, ich sage: hör mal, so schöne Frauen verlieben sich in solche Männer wie dich sowieso nicht! Patsch ... Bild weg. Das heißt, diese ganzen Visualisierungsübungen nutzen überhaupt nichts, wenn die auditiven Einwände nicht entmachtet werden. Der Mann kann sich das Schloß in der Provence visualisieren wie ein Geisteskranker, aber während er das macht, hört er eine Stimme auf der inneren Tonspur, die sagt: das erreichst du sowieso nicht! Und damit ist das Zielbild weg und der Drang, etwas dafür zu tun, ebenfalls. Ein einmal gedachtes Bild ist eben nicht Wirklichkeits-kreierend.

Eine gute Methode, die auditiven Einwände zum Verschwinden zu bringen, ist die Konfrontation mit ihnen. Das heißt ich lasse den Mann immer wieder auf sein visualisiertes Schloß zugehen und brülle ihm dabei seine Einwände immer wieder zu. Nach einiger Zeit bildet sich dann ein neurologischer Filter und er ist in der Lage, trotz der gemeinsten und gehässigsten Einwände sein Zielbild farbig und scharf und ohne zu wackeln aufrechtzuhalten. Als nächstes muß man bedenken, daß das Gehirn zwischen realistischen und unrealistischen Bildern unterscheidet. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, wie ich in einem Raumschiff der pleiadeischen Sternenflotte zu Alpha-Centaurus fliege. Gar kein Problem, das vorzustellen. Aber die Frage ist, halte ich das auch für realistisch? Natürlich nicht. Ob ich ein Bild für realistisch halte oder nicht, das hängt wieder von dem Set von Untereigenschaften ab, wie ich mir das visualisiere. Das heißt erstmal, um ein Zielbild in jemandem zu installieren, muß ich vorher rauskriegen, bei welchen Untereigenschaften jemand sagt: schön wär‘s, ist aber nicht realistisch, und wenn er sagt: prima, let‘s go for it!

Viele Menschen meinen: so wie ich bin, bin ich o.k und wenn ich anders bin, bin ich nicht mehr ich selber. Das ist das schlimmste Meta-Muster, weil es Veränderungen verhindert. Wenn ich glaube, so wie ich bin, bin ich nun mal, das ist meine Natur, dann brauche ich mich nicht zu verändern, im Gegenteil, dann würde eine Veränderung bedeuten, daß ich mich verrate. Um da jemand herauszulocken, installiere ich ihm kognitive Dissonanzen ins Programm. Ich rede zum Beispiel über Dinge, über die er sich einmal geärgert hat, worüber er heute nur noch lachen kann. Es gab Zeiten, da hat er gedacht, dieses oder jenes lerne ich nie und trotzdem kann er es heute. Wenn ich dann genug von diesen kognitiven Dissonanzen installiert habe, dann sage ich zu ihm, eigentlich kann man sich verändern und trotzdem man selber bleiben. Das hängt natürlich vom belief-system (Glaubenssystem) ab. Es gibt zum Beispiel im NLP das Belief: Alles ist möglich. Dieses Belief hat man nicht, weil es wahr ist, sondern weil, wenn man glaubt, alles möglich, dann begrenzt man sich nicht in seinen Möglichkeiten, bevor man angefangen hat. Ich probiere eben alles einmal aus. Wenn ich aber eine Meta-Theorie habe, die mir schon vorher sagt, was alles möglich ist und was nicht, dann probiere ich bestimmte Sachen erst gar nicht. Das ist ein Belief. Ein anderes Belief wäre: was ein Gehirn kann, das kann jedes andere Gehirn auch. Mag sein, daß das so nicht in allen Fällen stimmt, aber wenn ich es glaube, dann kann ich auch versuchen, die Fähigkeiten, die ein Mensch hat, zu modellieren und auf einen anderen zu übertragen.

So gesehen kann ich als NLPler durch die Welt gehen und es laufen sechs Milliarden Software-Bibliotheken herum und in jeder dieser Bibliotheken gibt es 2,3,4 Programme, die sensationell toll sind und wo es nützlich wäre, wenn andere Leute diese Programme auch zur Verfügung hätten. Teil der NLP Arbeit ist also, diese Programme, die auf dem Globus life existieren, zu sammeln und zugänglich zu machen. Zum Beispiel ein Programm, um ärgerliche Situationen schneller zu relativieren, damit das negative Gefühl schneller abebbt. Es gibt zum Beispiel Personen, die befinden sich in einer gefährlichen Situation, nehmen wir mal an während eines Abenteuers am Amazonas, Kanu kaputt, nichts zu essen. Jetzt gibt es einige Leute, die sich dabei sehen, wie sie elendig verhungern, wie Schlangen kommen und sie aufressen und dann geraten sie in einen richtig saftigen Panikzustand, der leicht dazu führt, daß man gar nichts mehr macht. Es gibt andere Leute, die stellen sich vor, wie sie dieses Abenteuer ihren Freunden erzählen und jeder weiß, daß das Schlimmste und Schrecklichste, was einem je geschehen kann, auf einmal sehr heiter wird, wenn man es den Freunden bei Bier und Wein erzählt. Diese Fähigkeit, dieses Programm kann ich aber jetzt schon haben, während ich mitten in dem Ereignis am Amazonas stecke. Die Folge ist, daß der Wunsch, meinen Freunden etwas Tolles erzählen zu können, in mir die Lebensgeister weckt, in dieser Situation nach Auswegen zu suchen.

Dieses Interview stammt aus dem connection-Special "Geist, Gehirn, Gedankenwelten" 1990.


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